Vorwort
Immer, wenn ich neue Menschen näher kennen lerne und wir uns über unsere Hobbys austauschen, erwähne ich natürlich Ju-Jutsu. Es gibt es oft eine bestimmte Reaktion auf meine Aussage:
„Ahh, Jiu-Jitsu, habe ich schon einmal gehört.“
Ju-Jutsu wird sehr häufig mit Jiu-Jitsu verwechselt. Nun sind die Unterschiede beider Kampfsportstile nicht sehr gravierend, aber dazu gleich mehr.
Was ist Ju-Jutsu?
Ju-Jutsu ist im weitesten Sinne keine asiatische Kampfsportart, sondern wurde in Deutschland entwickelt. Vom Anbeginn des 20. Jahrhunderts bis in die 60er war Jiu-Jitsu Teil der Polizistenausbildung in Deutschland. Jiu-Jitsu ist aber ein sehr alter und traditionsreicher Kampfsportstil aus Fernost und konnte den Polizisten bei modernen Angriffen teilweise nicht mehr weiterhelfen.
Darum entschloss man sich in Deutschland einen neuen Stil zu erschaffen, den man Ju-Jutsu nannte, welches frei übersetzt „sanfte Kunst“ bedeutet. Ju-Jutsu wurde also in Deutschland in den 60er Jahren begründet. Es bedient sich der drei bekanntesten japanischen Kampfsportarten Karate, Judo und Aikido und ist daher dem Jiu-Jitsu recht ähnlich. Ju-Jutsu geht aber mit der Zeit, d.h. unser Prüfungsprogramm (Auflistungen der Techniken, die man zum erlangen eines neuen Gurtes vorzeigen muss) wird alle paar Jahre den realen Bedingungen angepasst.
An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich betonen, dass Jiu-Jitsu kein schlechter Kampfsportstil ist und sich auch für die Selbstverteidigung eignet. Die Unterschiede bestehen fast ausschließlich im Prüfungsprogramm, welches traditionell gehalten ist.
Wer mehr und Ausführlicheres zu Ju-Jutsu erfahren möchte, dem lege ich die Seite des deutschen Ju-Jutsu Verbandes ans Herz: www.djjv.de
Wettkampf
Wie in allen anderen Kampfsportarten gibt es auch im Ju-Jutsu Wettkämpfe. Allerdings haben wir zwei Methoden uns im Können zu messen.
1.) Fighting: Wie der Name schon sagt geht es hier zur Sachen. Bei stets leichtem Kontakt versuchen zwei Sportler Punkte durch Treffer, Würfe oder Haltegriffe am Boden zu sammeln. Diese Art des Wettkampfes verbindet die Wettkampfeigenschaften von Karate und Judo miteinander.
2.) Duo: Bei diesem Wettkampf treten zwei Paare nach einander an. Es gibt vier sog. „Duo-Serien“, die jeweils fünf international vereinbarte Angriffe beinhalten. Ein Kampfrichter sagt dem ersten Paar drei Angriffe aus der ersten Duo-Serie an und diese zeigen dann eine Verteidigungskombination passend zu diesen Angriffen. Danach ist das zweite Paar an der Reihe usw. Eine Jury berwertet das Gezeigte. Dieser Wettkampfmodus ist besonders für die Zuschauer sehr attraktiv.
Unser Verein beteiligt sich aber an keinerlei Wettkämpfen, jedoch werden beide Methoden zu Übungszwecken in lockerer und entspannter Atmosphäre im Training eingesetzt. Ergeizige Sportler können sich mit ihresgleichen messen, ruhigere Gemüter können sich mit Gleichgesinnten zusammenfinden.
Gewaltprävention
Heutzutage tritt noch ein weiterer Aspekt mit in die Aufgaben des Kampfsportes ein. Die Prävention (Verhinderung) von Gewalt. Es klingt für einige Menschen sicherlich ironisch, warum gerade ein Kampfsport präventiv wirken kann, aber das möchte ich jetzt erörtern.
Wir alle wollen Spaß an der Sache haben und uns gemeinsam körperlich fit und gesund fühlen. Beim Ju-Jutsu kommt es sehr auf ein umsichtiges Miteinander an, da man ohne Partner nicht trainieren kann. Dieser hat aber nur so lange Lust mit mir zu trainieren wie ich ihn auch gut behandle, soll in erster Linie heißen, dass ich ihn nicht verletze oder Schmerzen zufüge. Wer das nicht begreift, wird nicht lange in diesem Sport bleiben können. Daher denke ich, dass jeder Ju-Jutsuka ein sehr umsichtiger und rücksichtsvoller Mensch ist oder zumindest einer wird. Unser oberstes Gebot: „Behandle deinen Partner wie auch Du behandelt werden willst.“
Zum anderen wird im Training nicht nur trainiert, sondern natürlich auch über Alltagssituationen gesprochen. Jeder verantwortungsbewusste Übungsleiter wird seinen Schülern lehren, dass man im Falle eines Überfalles mit Messern oder sogar Schusswaffen besser den Forderungen nachkommt. Geld und ähnliches ist ersetzbar, sein eigenes Leben nicht.
Zur Anwendung des im Training erlernten soll es nur kommen, wenn der Täter mir zu verstehen gibt, dass er mir so oder so Schaden zufügen wird oder allein deswegen mich aufgesucht hat (Bsp.: Vergewaltigung). Wenn noch die Chance besteht wegzulaufen, dann sollte diese Option stets gewählt werden. Weglaufen ist in diesem Fall keine Schande.
Was bringt mir Ju-Jutsu?
... in erster Linie Spaß und viele neue Freunde! Des Weiteren hält man sich körperlich fit und fühlt sich einfach wohler in seiner Haut.
Ju-Jutsu verleiht einem die Gabe sich im Notfall selbst verteidigen zu können, aber auch die Gabe Situationen erst gar nicht so weit eskalieren zu lassen. In jedem Fall stärkt Kampfsport allgemein das Selbstbewusstsein und das Selbstvertrauen.
Wann fängt man am besten an?
Einige Kinder fangen bei uns mit 8 Jahren an, etliche Heranwachsende mit 20 Jahren, einige Menschen mit Anfang 30 und andere sogar weit darüber hinaus. Jeder kann zu jedem Zeitpunkt beginnen. Zwar hat man altersbedingt gewisse Einschränkungen, aber auf die nehmen unsere Übungsleiter zu jeder Zeit Rücksicht. Auch die Körpergröße oder das Körpergewicht spielen keine wesentliche Rolle. Dicke Menschen werden bei uns nicht ausgelacht oder anders behandelt wie alle anderen Menschen.





